Vor zehn Jahren wurde Prinz Xians Mutter von einer weißen Schlange gebissen und ist seitdem zu einem langsamen Tod verdammt. Ein mögliches Heilmittel kann nur aus der seltenen Schlange selbst hergestellt werden. Also macht sich der Prinz auf, um die weiße Schlange in der Stadt Changle zu finden, wie es ihm ein Orakel prophezeit hat. Dort trifft er auf den geheimnisvollen Stallburschen Zhen. Doch während Xian sich mehr und mehr zu ihm hingezogen fühlt, wird gleichzeitig seine Ahnung stärker, dass Zhen nicht der ist, der er vorgibt zu sein.
Prinz Xian steht unter enormem Druck. Seine Mutter liegt im Sterben, und mit jedem Tag schwindet die Hoffnung auf ihre Genesung. Die einzige Möglichkeit, sie noch zu retten, scheint eine legendäre weiße Schlange zu sein, der außergewöhnliche Heilkräfte nachgesagt werden. Entschlossen macht sich Xian auf die Suche.
Während seiner Reise begegnet er dem Stallburschen Zhen. Zwischen den beiden entsteht schon nach kurzer Zeit eine besondere Verbindung. Zhen ist aufmerksam, mutig und begegnet dem Prinzen auf eine Weise, die Xian nicht gewohnt ist. Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto stärker wird das Vertrauen zwischen ihnen.
Doch hinter Zhens freundlicher Fassade verbirgt sich ein Geheimnis. Er ist nicht der einfache Stallbursche, für den ihn alle halten. Seine wahre Identität könnte nicht nur Xians Suche verändern, sondern auch alles infrage stellen, woran der Prinz bisher geglaubt hat.
Während sich die Hinweise auf die weiße Schlange mehren, geraten Xian und Zhen immer tiefer in ein Netz aus Legenden, Magie und verborgenen Wahrheiten. Die Suche nach einem Heilmittel wird dabei zu weit mehr als einer Reise zur Rettung der Mutter. Sie zwingt beide, sich ihrer Vergangenheit, ihren Geheimnissen und ihren Gefühlen zu stellen.
Legend of the White Snake hat mich zunächst mit seinem wunderschönen Setting und der interessanten Grundidee angesprochen. Die chinesisch inspirierte Atmosphäre, die Legende um den Schlangengeist und die ersten Begegnungen der beiden Protagonisten versprechen eine emotionale und außergewöhnliche Liebesgeschichte. Gerade zu Beginn konnte mich das Buch neugierig machen und ich war gespannt, wohin die Reise führen würde. Tatsächlich hoffte ich auf ein Highlight.
Leider blieb die Liebesentwicklung für mich über weite Strecken kaum nachvollziehbar. Die Gefühle entwickeln sich sehr schnell, ohne dass ich als Leser wirklich die Gelegenheit bekomme, die beiden Figuren gemeinsam wachsen zu sehen. Vermutlich sind die etwas über 300 Seiten einfach zu wenig, um einer Geschichte mit diesem Umfang und dieser Thematik genügend Raum zu geben (doch das scheint inzwischen von den Verlagen wohl so gewollt). Dadurch wirkte vieles zu knapp, dabei hätte das so unfassbar gut werden können!
Auch wer auf etwas Romantik mit mehr Nähe oder sogar Spice hofft, wird hier eher enttäuscht. Natürlich braucht nicht jede Geschichte explizite Szenen, aber in diesem Fall hätte es meiner Meinung nach durchaus zur Handlung und zur Beziehung der Figuren gepasst und ihr mehr Tiefe verliehen. Besonders wenn man ständig das Fläschchen mit Öl auf dem Nachttisch erwähnt….
Ab etwa der Hälfte des Buches begann die Geschichte für mich dann leider deutlich an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Einer der Protagonisten trifft plötzlich Entscheidungen, die ich weder emotional noch logisch nachvollziehen konnte. Sein Verhalten wirkte auf mich widersprüchlich und teilweise sogar unsympathisch, sodass ich zunehmend Schwierigkeiten hatte, mit ihm mitzufühlen.
Spoiler:
Besonders gestört hat mich der große Konflikt zwischen den beiden. Zunächst ist die große Leidenschaft zwischen ihnen, nur damit kurz darauf die Kehrtwende folgt: Plötzlich, kaum dass er weiß, wer der Mann ist, soll der Schlangengeist als Heilmittel für die kranke Mutter dienen. Der Protagonist lässt zu, dass der Mann, den er angeblich liebt, gefangen genommen und gequält wird, macht sich dabei aber gleichzeitig Sorgen, dass es „hoffentlich nicht so schlimm“ sein möge. Diese Reaktion wirkte auf mich völlig absurd. Entweder brenne ich für jemanden oder ich lasse nicht zu, dass ihm so etwas angetan wird.
Noch weniger nachvollziehbar fand ich anschließend die Auflösung. Nachdem er den anderen letztlich doch rettet, scheint alles sofort vergeben und vergessen zu sein. Für mich waren die vorherigen Ereignisse jedoch viel zu gravierend, als dass sie mit ein paar emotionalen Momenten aus der Welt geschafft werden könnten. Das Vertrauen, die Verletzungen und die Konsequenzen hätten deutlich mehr Raum gebraucht.
Am Ende blieb bei mir deshalb vor allem das Gefühl zurück, dass hier unglaublich viel Potenzial verschenkt wurde. Die Welt, die Atmosphäre und die Grundidee hätten eine wunderschöne, tragische und bewegende Liebesgeschichte ergeben können. Stattdessen konnte ich die Entwicklung der Figuren und ihrer Beziehung leider immer weniger nachvollziehen.
Schade, denn die Zutaten für ein echtes Highlight wären definitiv vorhanden gewesen.
Ich bin ehrlich traurig, dass man der Geschichte nicht mehr Seiten bzw. Teile zugesprochen hat, sie hätte das mit Leichtigkeit stämmen können