Nach den harten Jahren der Ausbildung macht der junge Geralt seine ersten Schritte als Hexer und muss sich schon bald tödlichen Gefahren stellen. Im Land Kaedwen beginnt sein Weg, doch Geralt ist nicht allein. Ihm zur Seite steht sein Mentor Preston Holt, der Geralt vor dem Tod rettet – aber dann zum Geächteten wird.
Geralt von Riva hat seine Ausbildung in der Festung Kaer Morhen gerade erst abgeschlossen und verlässt die vertrauten Mauern, um als Hexer eigenständig seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Sein Weg führt ihn nach Kaedwen, ein Land, in dem Monsterjagd zwar gefürchtet, aber selten dankbar entlohnt wird. Noch ehe er Fuß fassen kann, gerät er jedoch in Schwierigkeiten: Als er einen Mann tötet, der im Begriff ist, ein junges Bauernmädchen zu misshandeln, schlägt ihm nicht Dank, sondern Misstrauen entgegen. Statt als Retter wird er als Mörder behandelt und entgeht nur knapp einer öffentlichen Hinrichtung.
In letzter Minute erhält Geralt unerwartete Unterstützung. Ein erfahrener Hexer namens Preston Holt tritt für ihn ein und verhindert das Schlimmste. Der Name sagt Geralt zunächst nichts – ein Umstand, der ihn irritiert, da die Gemeinschaft der Hexer klein und ihre Geschichte eng miteinander verwoben ist. Holt nimmt sich des jungen Hexers an und wird zu einer Art Mentor. Unter seiner Anleitung lernt Geralt nicht nur neue Kampftechniken, sondern auch alternative Herangehensweisen im Umgang mit Aufträgen und Menschen.
Mit Holt an seiner Seite wird Geralt mit Ereignissen aus der Vergangenheit der Hexer konfrontiert, über die in Kaer Morhen kaum gesprochen wurde. Alte Konflikte, verborgene Entscheidungen und moralische Grauzonen werfen ein anderes Licht auf den Orden, dem er angehört. Gleichzeitig häufen sich in Kaedwen beunruhigende Vorfälle. Geralt jagt Kreaturen, die Dörfer heimsuchen, und deckt dabei auf, dass nicht alle Bedrohungen übernatürlichen Ursprungs sind.
Während er versucht, seinen eigenen Platz in der Welt zu finden, erkennt Geralt, dass Monster nicht nur in dunklen Wäldern lauern. Manche tragen menschliche Gesichter und verfolgen Pläne, die weitreichendere Folgen haben als jede Bestie. Zwischen Loyalität, Wahrheit und seiner eigenen Vorstellung von Gerechtigkeit beginnt für den jungen Hexer eine Reise, die ihn stärker prägen wird als jede Ausbildung in Kaer Morhen.
Ich hatte wirklich große Erwartungen an diesen neuen Witcher-Roman. Gerade weil die Welt um Geralt so viel Tiefe, Moral und politische Komplexität bietet, war ich neugierig, welche neuen Facetten hier ergänzt werden würden. Leider blieb für mich genau das aus.
Die Figuren wirkten insgesamt überraschend blass. Gerade in einer Reihe, die sonst von starken, vielschichtigen Charakteren lebt, hätte ich mir deutlich mehr Tiefe gewünscht. Dialoge und Begegnungen fühlten sich oft oberflächlich an, ohne die gewohnte emotionale oder moralische Spannung. Statt einer atmosphärisch dichten Erzählung hatte ich stellenweise das Gefühl, eine schnell abgearbeitete Handlung zu lesen.
Auch der Plot selbst blieb vergleichsweise simpel. Die politische Raffinesse und die moralischen Graubereiche, die man aus der Saga kennt, sind hier kaum präsent. Es gibt nur wenige neue Einblicke in die Welt des Kontinents, keine bedeutenden Erweiterungen des Lore oder überraschende Entwicklungen. Stattdessen werden bekannte Motive erneut aufgegriffen – teilweise sogar sehr offensichtlich. Besonders die Anlehnung an die Striga-Thematik wirkte für mich wie eine Wiederholung alter Ideen, nur mit veränderten Figuren.
Am meisten irritiert hat mich jedoch Geralts Darstellung. Zu Beginn erscheint er noch als junger, teilweise naiver Hexer, der seinen Platz sucht. Doch diese Entwicklung springt plötzlich in eine andere Richtung. Seine späteren Handlungen – insbesondere seine extreme Gewaltbereitschaft – fühlten sich nicht organisch an. Die Art, wie er am Ende agiert, passt für mich nicht zu dem Geralt, den ich aus den bisherigen Werken kenne. Dieser Bruch in seiner Charakterzeichnung hat mich komplett aus der Geschichte gerissen und enttäuscht.
Für sich genommen ist das Buch kein völliger Reinfall, aber gemessen an dem, was die Witcher-Welt sonst zu bieten hat, bleibt es deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Es fehlt an Tiefe, an Komplexität und an der charakterlichen Konsistenz, die die Reihe normalerweise auszeichnet. Schade – gerade weil das Potenzial für eine spannende Erweiterung des Universums definitiv da gewesen wäre.