Im Dunkel der Nacht tobt ein unerbittlicher Krieg zwischen der Bruderschaft der BLACK DAGGER und ihren Verfolgern. Doch das ist nichts im Vergleich zu dem grausamen Kampf, der im Herzen des Vampirkriegers Tohrment wütet: Seit dem Tod seiner geliebten Frau Wellsie ist für den einst so mächtigen Kämpfer nichts mehr, wie es war. Geschwächt und mit gebrochenem Herzen ist er nur mehr ein Schatten seiner selbst – und das ausgerechnet, als die Bruderschaft ihn am dringendsten braucht. Doch dann sieht Tohrment Wellsie in seinen Träumen und schöpft neue Hoffnung: Kann er seine große Liebe aus dem Reich der Toten befreien?
Im Mittelpunkt dieses Bandes steht Thorment, ein Krieger der Bruderschaft, dessen Leben nach dem Tod seiner Gefährtin Wellsie aus den Fugen geraten ist. Seit dem Angriff der Lesser, bei dem sie ums Leben kam, lebt Thor nur noch für den Kampf. Getrieben von Wut und Schmerz stürzt er sich in jede Auseinandersetzung, ohne Rücksicht auf sich selbst. Seine Handlungen wirken zunehmend selbstzerstörerisch, als würde er bewusst den eigenen Tod suchen, um seiner verlorenen Liebe näher zu sein.
Sein Zustand bleibt den anderen Mitgliedern der Bruderschaft nicht verborgen, doch niemand scheint ihn wirklich erreichen zu können. Erst das Eingreifen des Engels Lassiter bringt eine Wende. Lassiter konfrontiert Thor mit der Wahrheit, dass sein Verhalten nicht nur ihn selbst gefährdet, sondern auch Wellsies Seele belastet. Solange Thor an seiner Wut und seinem Schmerz festhält, bleibt auch sie gebunden und findet keinen Frieden. Diese Erkenntnis zwingt Thor, sein Verhalten zu überdenken.
Langsam beginnt er, sich wieder dem Leben zuzuwenden. Dabei spielt No’One eine entscheidende Rolle. Zwischen den beiden entwickelt sich eine vorsichtige Verbindung, geprägt von Zurückhaltung und gegenseitigem Verständnis. Thor fühlt sich zu ihr hingezogen, kämpft jedoch innerlich mit Schuldgefühlen, da seine Erinnerungen an Wellsie allgegenwärtig sind. No’One begegnet ihm mit Geduld und Respekt, wodurch sich zwischen ihnen Schritt für Schritt eine Nähe aufbaut, die sie schließlich nicht länger ignorieren können.
Während Thor seinen Weg zurück ins Leben sucht, zeichnet sich im Hintergrund eine neue Bedrohung ab. Ein alter Gegner der Bruderschaft taucht erneut auf und beginnt einen rücksichtslosen Feldzug. Seine Aktionen sind brutal und blutig, und sie zwingen die Brüder dazu, sich erneut einem Feind zu stellen, der aus der Vergangenheit zurückkehrt und die fragile Ordnung ins Wanken bringt.
Auf diesen Band habe ich wirklich lange gewartet. Seit dem Tod von Wellsie war klar, dass Tohrment irgendwann seine eigene Geschichte bekommen muss – und ich war unglaublich gespannt darauf, wie J. R. Ward diesen sensiblen Weg für ihn gestalten würde. Denn das Thema ist nicht nur innerhalb der Geschichte schwierig, sondern auch im echten Leben: Wie findet man nach einem so großen Verlust wieder zurück ins Leben, ohne dass eine neue Beziehung wie ein Ersatz wirkt?
Genau das macht dieser Band für mich so besonders. Tohrment ist ein Charakter, den man einfach ins Herz schließen muss. Sein Schmerz ist greifbar, seine Wut verständlich, und gleichzeitig steht er sich selbst ständig im Weg. Er kann einfach nicht loslassen. Man merkt in jeder Szene, wie sehr er innerlich noch bei Wellsie hängt. Umso wichtiger war es für mich, dass die Autorin mit dieser Entwicklung behutsam umgeht – und das tut sie. Zwischen Tohr und No’One vergeht spürbar Zeit. Es gibt kein überstürztes Zusammenfinden, sondern ein vorsichtiges Annähern, ein langsames Öffnen, das sich sehr glaubwürdig anfühlt.
No’One selbst bekommt dabei ebenfalls viel Raum. Es geht nicht nur um Tohrs Trauer, sondern auch um ihr Leben, ihre Vergangenheit und ihre eigene innere Zerrissenheit. Diese parallele Entwicklung fand ich sehr gelungen, weil es der Geschichte mehr Tiefe gibt als eine reine „Wieder-findet-zur-Liebe“-Erzählung.
Natürlich bleiben die anderen Handlungsstränge der Reihe nicht außen vor. Xhex und John tauchen ebenfalls wieder auf – wobei ich gestehen muss, dass mich ihre Beziehung inzwischen eher ermüdet. Es fühlt sich an, als würde sich ihr Konflikt ständig wiederholen, ohne wirklich voranzukommen. Ähnlich geht es mir mittlerweile mit Blay und Qhuinn, deren Gefühlschaos sich ebenfalls schon sehr lange hinzieht.
Was mir außerdem aufgefallen ist: Die Shellans der Brüder treten immer mehr in den Hintergrund. Abgesehen von kurzen Auftritten – vor allem durch Jane – bekommt man kaum noch Einblicke in ihr Leben. Das finde ich etwas schade, weil gerade diese Perspektiven früher viel zur Wärme der Reihe beigetragen haben.
Auch die Lesser, die lange Zeit eine zentrale Rolle spielten, wirken mittlerweile eher wie eine Randnotiz. Dafür rückt eine neue Gegenpartei stärker in den Fokus: Xcor und seine Männer. Besonders spannend fand ich, dass Xcor hier mehr Tiefe bekommt und nicht nur als Gegner, sondern als eigenständiger Charakter mit Motivation und Hintergrund dargestellt wird.
Dieser Band ist ein emotionaler, intensiver Einstieg in Tohrments neue Geschichte. Es geht um Trauer, Heilung und die schwierige Frage, wie man nach einem Verlust wieder ins Leben zurückfindet. Trotz einiger Nebenstränge, die mich weniger begeistern konnten, ist die Geschichte rund um Tohr und No’One sehr gelungen – vor allem, weil sie sich Zeit nimmt und nichts überstürzt. Und da dies erst die erste Hälfte seiner Entwicklung ist, bin ich sehr gespannt, wie es im nächsten Band weitergeht.