MUTTER WERDEN UND FRAU BLEIBEN. Über den Spruch kann Ava nur lachen. Ihr Leben wird schon seit Jahren komplett von der Familie bestimmt. Jetzt ist sie 43, das erste ihrer drei Kinder kommt in die Pubertät und ihr Mann macht Karriere. Und Ava? Funktioniert wie auf Autopilot.
Als sie den neunzehn Jahre jüngeren Kieran kennenlernt, stürzt sie sich gegen alle Vernunft in eine Affäre. Zum ersten Mal seit langer Zeit erkennt sie die Frau wieder, die sie einmal war.
Aber die heile Familie für ihr eigenes Glück opfern? Die Kinder dem Tratsch in der Kleinstadt aussetzen?
Das kann Ava nicht. Und doch, die Liebe zu Kieran ist echt und die Sehnsucht nach Freiheit immer noch da.
Ava ist Anfang vierzig, Mutter von drei Kindern und lebt ein Leben, das vollständig auf Familie und Haushalt ausgerichtet ist. Zwei ihrer Kinder stehen am Beginn der Pubertät, was den Alltag zusätzlich herausfordernd macht. Ihre eigene berufliche Laufbahn hat sie vor Jahren aufgegeben, um sich ganz der Rolle als Mutter und Ehefrau zu widmen. Für persönliche Interessen oder Selbstverwirklichung bleibt kaum Raum.
Ihr Mann ist ein erfolgreicher Anwalt, dessen Leben sich vor allem um seine Karriere dreht. Die Aufgaben im Haushalt und die Verantwortung für die Kinder lasten größtenteils auf Ava. Zwischen den beiden besteht zwar eine funktionierende Partnerschaft im organisatorischen Sinne, doch emotionale Nähe, Austausch und gegenseitige Aufmerksamkeit sind über die Jahre nahezu vollständig verloren gegangen. Die Ehe wirkt routiniert, distanziert und geprägt von eingefahrenen Rollenbildern.
Diese fragile Ordnung gerät ins Wanken, als Ava Kieran begegnet, dem Schwimmlehrer ihrer Tochter. Kieran ist deutlich jünger als sie und befindet sich in einer völlig anderen Lebensphase. Trotz dieses Altersunterschieds entsteht zwischen ihnen zunächst ein vorsichtiger Kontakt, der sich nach und nach zu einer Affäre entwickelt. Was als heimliche Begegnung beginnt, gewinnt zunehmend an emotionaler Tiefe.
Ava ringt dabei immer wieder mit Zweifeln an sich selbst, an ihrem Aussehen und an der Frage, warum sich ein so junger Mann für sie interessieren sollte. Gleichzeitig wird auch Kierans Perspektive sichtbar: Er hadert mit seiner Herkunft, seinem gesellschaftlichen Status und der Sorge, in Avas Leben keinen festen Platz haben zu können.
Während sich ihre Beziehung vertieft, steht Ava vor schwierigen Entscheidungen. Sie ist sich der Konsequenzen bewusst, die ein offener Bruch mit ihrer bisherigen Lebenssituation nach sich ziehen würde – für ihre Kinder, ihre finanzielle Sicherheit und ihr gesellschaftliches Umfeld. Schließlich entscheidet sie sich zunächst gegen ein gemeinsames Leben mit Kieran und bleibt in ihrer Ehe, auch aus Verantwortung gegenüber ihren Kindern.
Trotz dieser Entscheidung kreuzen sich die Wege von Ava und Kieran immer wieder. Parallel dazu beginnt Ava, sich stärker mit ihren eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen und ihre Rolle als Mutter, Ehefrau und eigenständige Person neu zu hinterfragen. Dabei wird deutlich, wie sehr gesellschaftliche Erwartungen und moralische Maßstäbe das Verhalten von Müttern beeinflussen – insbesondere dann, wenn sie eigene Wünsche und Gefühle nicht länger zurückstellen wollen.
Am Ende zeigt sich auch die Perspektive der Kinder, die mit den Veränderungen im Leben ihrer Mutter ringen. Sie müssen sich mit der Erkenntnis auseinandersetzen, dass ihre Mutter nicht ausschließlich in ihrer Rolle aufgeht, Gefühle für einen anderen Mann entwickelt hat und lange Zeit nicht vollständig glücklich war. Diese Spannungen wirken nach und machen deutlich, wie tiefgreifend Avas Entscheidungen das gesamte familiäre Gefüge beeinflussen.
Der Einstieg in die Geschichte ist wirklich gelungen. Der Schreibstil liest sich leicht, flüssig und zieht einen sofort hinein. Schon nach den ersten Seiten hatte ich ein klares Bild von Ava vor Augen und konnte ihre Erschöpfung, ihre innere Leere und diese gedrückte Grundstimmung sehr gut nachvollziehen. Genau diese Melancholie ist stark eingefangen, vielleicht sogar zu stark, denn sie zieht sich konsequent durch das gesamte Buch.
Was mich dabei zunehmend gestört hat: Diese schwere Stimmung lockert sich kaum, selbst dann nicht, wenn die Liebesgeschichte in den Fokus rücken sollte. Ich musste die Romantik ehrlich gesagt suchen. Statt echter emotionaler Nähe stand für mich vor allem körperliche Anziehung im Vordergrund. Es wirkte oft so, als würden beide Figuren weniger zueinanderfinden, sondern vielmehr vor ihrem jeweiligen Leben davonlaufen. Das hat es mir schwer gemacht, diese Beziehung als echte Liebesgeschichte wahrzunehmen.
Hinzu kommt, dass mir die Charaktere insgesamt sehr klischeehaft angelegt waren. Ava als unglückliche, aufopfernde Mutter, der emotional abwesende und egoistische Ehemann, der junge Mann aus einfachen Verhältnissen, all das bleibt recht oberflächlich und vorhersehbar. Ich hätte mir mehr Tiefe, mehr Grautöne und vor allem mehr Entwicklung gewünscht. Auch die Handlung selbst drehte sich für mein Empfinden oft im Kreis, ohne wirklich voranzukommen oder neue Impulse zu setzen.
Besonders schwierig fand ich Avas Umgang mit ihren Problemen. Statt sich ihren Konflikten zu stellen oder zumindest den Versuch zu unternehmen, etwas in ihrem Leben aktiv zu verändern, entscheidet sie sich immer wieder für den Rückzug und die Flucht. Das ist natürlich eine legitime Darstellung, aber es ist eine, mit der ich persönlich kaum etwas anfangen konnte. Ihre Entscheidungen haben bei mir eher Unverständnis als Mitgefühl ausgelöst.
Das Buch greift ein wichtiges und sensibles Thema auf, das viele Frauen betrifft und definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient. Leider konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Trotz angenehmem Schreibstil fehlten mir emotionale Tiefe, echte Romantik und glaubwürdige Charakterentwicklung. Schade, denn das Potenzial für eine starke Geschichte war definitiv vorhanden.